Wilder Wein: Standort, Haftscheiben, Schnitt und Herbstfarbe
Wer im Herbst eine Wand oder einen Zaun in leuchtende Farben tauchen möchte, denkt oft an Wilden Wein. Der Name bezeichnet mehrere selbsthaftende Jungfernreben, vor allem die Dreispitzige Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata) und die Fünfblättrige Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia). Beide sind sommergrüne, kräftig wachsende Kletterpflanzen; Blattform, Wuchs und Haftvermögen unterscheiden sich jedoch. Prüfen Sie beim Kauf das Etikett und wählen Sie die Art passend zum Untergrund und zum verfügbaren Pflegeaufwand.
Wilder Wein
Foto: D. Wiedamann
Blätter, Herbstfarbe und Blüten
Bei P. tricuspidata sind die Blätter meist einfach und drei- bis fünflappig; die Ranken tragen Haftscheiben. P. quinquefolia hat typischerweise handförmig zusammengesetzte Blätter mit fünf Einzelblättchen. Die Blattfarbe wechselt im Herbst häufig zu Rot, Orange oder Purpur. Wie intensiv sie ausfällt, hängt unter anderem von Art und Sorte, Licht, Witterung und Standort ab – eine bestimmte Farbe lässt sich nicht für jede Pflanze garantieren. Im Sommer bleibt das Laub grün und kann eine Fläche dicht beschatten.
Die kleinen, eher unscheinbaren Blüten erscheinen im Sommer. Sie bieten Insekten Nahrung; später bilden sich dunkle Beeren, die von Vögeln genutzt werden. Die Früchte sind kein Lebensmittel: Sie sollten weder geerntet noch probiert werden. Besonders Kinder und Haustiere sollten nicht an unbekannten Beeren naschen. Bei einem versehentlichen Verzehr ist es sinnvoll, sich an eine Giftnotrufzentrale oder ärztliche Stelle zu wenden. Eine kurze Einordnung zu Arten, Gartenverwendung und den Beeren bietet der IVA-Beitrag über Wilden Wein.
Standort und Pflanzung planen
Wilder Wein wächst in Sonne und Halbschatten, je nach Art und Sorte auch an schattigeren Plätzen. Ein heller Standort fördert oft eine kräftigere Herbstfärbung. Der Boden sollte Wasser aufnehmen können, ohne dauerhaft nass zu bleiben. Lockern Sie verdichtete Erde vor dem Pflanzen und arbeiten Sie bei magerem Boden reifen Kompost ein. Setzen Sie den Wurzelballen auf Höhe des umgebenden Bodens, wässern Sie gründlich und halten Sie die Erde in der Anwachszeit gleichmäßig feucht. Später kommt eine im Beet etablierte Pflanze meist mit normalem Niederschlag zurecht; Kübelpflanzen trocknen schneller aus und brauchen regelmäßige Kontrolle.
Planen Sie die spätere Größe großzügig ein: Jungfernreben können viele Meter hoch und breit werden und bilden kräftige Triebe. Der endgültige Wuchs hängt von Art, Sorte, Standort und Pflege ab. An einem Zaun oder Rankgerüst lassen sich Richtung und Ausbreitung besser steuern als an einer großen Hauswand. Bei wenig Platz kann eine gezielt geführte Kletterrose eine Alternative sein; sie benötigt allerdings ein tragfähiges Gerüst und regelmäßigen Schnitt. Weitere Arten für senkrechte Begrünung finden Sie in der Übersicht der Kletterpflanzen.
Haftscheiben: Untergrund vorab prüfen
Die Haftorgane ermöglichen es manchen Wilden Weinen, ohne klassische Rankhilfe an rauen Oberflächen hochzuwachsen. Das ist praktisch, aber nicht für jede Fassade geeignet. Prüfen Sie vor der Pflanzung, ob Putz, Fugen und Mauerwerk intakt sind und ob der Bewuchs an Fenstern, Lüftungsöffnungen, Dachanschlüssen und Regenrinnen vorbeigeführt werden kann. Auf beschädigten oder empfindlichen Oberflächen können Haftorgane und Triebe die spätere Pflege erschweren; die Pflanze kann außerdem in Ritzen und hinter Verkleidungen gelangen. Bei Unsicherheit ist ein freistehendes Rankgerüst mit Abstand zur Wand die kontrollierbarere Lösung. Halten Sie den Bewuchs von Dachrinnen, Fensterläden und technischen Bauteilen fern.
Schnitt und Pflege
Kontrollieren Sie den Austrieb während der Wachstumszeit und kürzen Sie Triebe, sobald sie Grenzen überschreiten. Ein kräftiger Rückschnitt ist möglich, sollte aber schrittweise geplant werden, damit die Pflanze nicht auf einmal zu stark zurückgenommen wird. Schneiden Sie nicht in Dachrinnen oder hinter Fassadenverkleidungen hinein; entfernen Sie solche Ausläufer früh, solange sie gut erreichbar sind. Verwenden Sie sauberes, scharfes Werkzeug und achten Sie bei Arbeiten an Wänden auf einen sicheren Stand. Ein frei stehendes Gerüst macht den jährlichen Rückschnitt wesentlich einfacher.
Wer eine lockere, blühende Begrünung statt einer geschlossenen Wandfläche sucht, kann auch Ziersträucher oder eine geeignete Heckenpflanzung prüfen. Eine Baumpflanzung braucht dagegen ausreichend Abstand zur Jungfernrebe, damit sich deren kräftige Triebe nicht in der Krone ausbreiten. Bei allen Varianten entscheidet der konkrete Standort: Platzangebot, Licht, Boden, Untergrund und die Bereitschaft zu regelmäßigem Schnitt sollten vor dem Kauf zusammenpassen.